Die Vorweihnachtszeit beginnt bereits im November mit den Regalen voller bunter Weihnachtsschokolade in den Supermärkten und reichlich Spielzeugwerbung am Fernsehen und in verschiedensten Prospekten, wobei übrigens die geschlechtsspezifischen Produkte von einem sehr konservativen Rollenverständnis zeugen (Puppen, Mode, Plüschtiere oder die perfekte Plastikküche für die Mädchen; Actionfiguren, Autos, Laserschwert und Baukasten für die Knaben), gefolgt von öffentlichen und privaten Weihnachtsdekorationen und –beleuchtungen und erreicht schließlich ihren Höhepunkt durch zahlreiche Weihnachtsmärkte und ähnliche Veranstaltungen und zu guter Letzt durch das eigentliche Weihnachtsfest.
Weihnachten ist ein religiöses Fest, wovon zumindest auch sein Name zeugt. Und stellt zweifelsohne das liebste Fest der Kinder dar. Oder wenigstens derjenigen, die Weihnachten feiern.
Meine Kinder wissen, als Muslime glauben wir zwar an Jesus, der einer unserer Propheten ist, wir veranstalten jedoch kein Fest zu seinem Geburtstag, denn sonst müssten wir ja gerechterweise die Geburtstage aller Propheten von Adam über Abraham und Moses bis zu Muhammed zelebrieren, und kämen aus dem Feiern gar nicht mehr heraus.
Natürlich freuen sie sich trotzdem, wenn sie in der Schule an der Reihe sind, den Adventskalender zu öffnen und basteln eifrig Weihnachtsgeschenke. Als Eltern honorieren wir diese Anstrengungen und sind ganz ehrlich gerührt über die selbstgemachten Geschenke. Schließlich ist es ja auch ganz normal, dass in der Schule die Feste der religiösen Mehrheit Beachtung finden.
Hauptsächlich sehnen sich meine Kinder jedoch nach dem allgegenwärtigen Weihnachtsmann und dem glitzernden Weihnachtsbaum. Zwar bekommen sie jedes Jahr zum Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan Geschenke und freuen sich über die Dekorationen und Lichter, die wir während dieser Zeit aufhängen, und würden das auch gar nicht gegen Weihnachten eintauschen wollen, aber so einen weltweit Geschenke verteilenden weißbärtigen Rentierschlittenfahrer würden sie trotzdem auf keinen Fall abweisen. „Was wäre denn“, so fragte mich meine 9jährige Tochter kürzlich, „wenn es den Weihnachtsmann wirklich gäbe und er aber nur zu denen kommt, die tatsächlich an ihn glauben?“ Das vorweihnächtliche Fernsehprogramm hat da natürlich seine Spuren hinterlassen, rivalisieren doch die verschiedenen Serien und Filme darin, den Weihnachtsmann und seine Existenz sowie den gesamten Ablauf der Geschenkeherstellung und -verteilung durch verschiedenste Szenarien möglichst glaubhaft darzustellen.
Nach einer längeren Diskussion waren wir uns dann doch einig, dass es schon göttlicher Eigenschaften bedarf, um so viele Geschenke zu produzieren und vor allem in einer einzigen Nacht auf der ganzen Welt zu verteilen, und der Weihnachtsmann nicht Gott sein kann, denn Gott, das wissen die Kinder, ist kein Mensch. Außerdem scheint es etwas ungerecht, dass nur diejenigen, die Weihnachten feiern, beschenkt werden und alle anderen Religionen leer ausgehen.
Nein, wir glauben nicht an den Weihnachtsmann, dafür aber an Allah, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten.
In diesem Sinne, frohe Weihnachten all denjenigen, die Weihnachten feiern.
Hallo Frau Dativ,
ich finde Ihren Eintrag sehr interessant. Ich erfahre zum ersten Mal die Sicht einer Muslime auf Weihnachten und das was für uns Christen dazu gehört. Vielen Dank dafür und liebe Grüße aus Norddeutschland in die Schweiz.
[...] Weihnachtsmann und dem Osterhasen gelassener begegnen können (ein älterer Artikel zu diesem Thema: hier) und sich nicht benachteiligt fühlen, da sie ja auch ihre besonderen Feste [...]